Südafrikas Wild Coast von Port Elizabeth bis Durban
Schon seit langer Zeit zieht uns die Wild Coast in Südafrika magisch an. Nun haben wir endlich die Gelegenheit gefunden, diesen für uns noch unbekannten Küstenabschnitt zu entdecken. Voller Vorfreude blicken wir einsamen Stränden entgegen, spektakulären Landschaften und inspirierenden Begegnungen mit den Menschen, die hier zu Hause sind.
Route
Tag 1 Port Elizabeth
Nach einem langen Flug kommen wir in Port Elizabeth an und checken im Beach Hotel ein. Trotz einiger negativer Rückmeldungen werden wir angenehm überrascht. Unser Zimmer mit Meersicht ist grosszügig und sauber. Auch das Abendessen im Ginger ist gut – nicht mehr ganz so überzeugend wie vor ein paar Jahren, als wir das letzte Mal hier sind, aber dennoch sehr fein.
Tag 2 Graaff Reinet – Samara Karoo Reserve
Nach einem ausgiebigen Frühstück auf der Terrasse startet unsere Reise. Wir machen uns auf den Weg in die Karoo und geniessen die Fahrt durch die Weite des Landes und über die erste Bergkette. Kurz vor Graaff-Reinet erreichen wir unser Ziel: das Samara Karoo Game Reserve mit über 27'000 Hektar Land und fünf verschiedenen Biomen. Das Gebiet ist auch bekannt für seine Erdferkel, doch leider bekommen wir keines zu sehen. Diese scheuen Tiere sind nachtaktiv und zeigen sich meist erst gegen Mitternacht.
Tag 3 Samara Karoo Reserve
Das Wetter ist kühl und sonnig, und so machen wir uns frühmorgens auf den Weg zum Plateau. Der Weg führt durch dichten Wald und über eine steile Strasse hinauf auf das grasreiche Hochland. Dort werden wir von zahlreichen Antilopen und Zebras begrüsst, und sogar eine grosse Herde Elenantilopen zeigt sich. Auch zwei Löwen entdecken wir, die sich in der Morgensonne wärmen.
Während wir eine Gruppe Zebras beobachten, fallen uns auf der anderen Seite zwei aufgeregte Kappieper (Vögel) auf, die flatternd und pfeifend Alarm schlagen. Als wir genauer hinsehen, entdecken wir eine Boomslang, die auf ihrem Nest sitzt und es gerade plündert. Der Guide, der Tracker und natürlich Patric wollen sich das näher ansehen und gehen zu Fuss heran. Ich bin froh, im Fahrzeug bleiben zu dürfen. Danach geniessen wir einen wohlverdienten Brunch mit weiter Aussicht.
Nach einer Siesta geht es wieder los. Dieses Mal fahren wir auf die offene Ebene in der Hoffnung, Geparden zu finden. Zuerst begegnen wir Nashörnern und weiteren Antilopen, stets mit den eindrucksvollen Bergen im Hintergrund. Kurz vor Sonnenuntergang entdecken wir sie dann: eine Gepardin mit ihren fast erwachsenen Jungen.
Wir steigen aus und gehen zu Fuss näher – ein unglaubliches Erlebnis. Die Geparde sind Menschen zu Fuss gewohnt und lassen uns sehr nah heran. Wir beobachten sie bei der Fellpflege, ganz ruhig und vertraut. Dann ruft die Mutter zur Jagd. Wir sehen, wie sie sich aufrichten und losziehen. Unser Guide kennt die Tiere gut und bringt uns immer wieder geschickt vor sie, sodass wir fantastische Aufnahmen machen können. Als die Dunkelheit einsetzt, kehren wir zum Fahrzeug zurück und geniessen einen Sundowner in der stillen Abendstimmung.
Tag 4 Samara Karoo Reserve
Heute müssen wir nicht weit fahren. Schon bald entdecken wir ein Löwenrudel mit einem frischen Kill. Vom Oryx bleibt kaum noch etwas übrig, und eigentlich sind alle satt – doch niemand will etwas abgeben, also wird weitergefressen. Nachdem wir die Tiere eine Weile beobachten, fahren wir zu einer stark erodierten Stelle. Hier pflanzen wir unseren Spekboom. Dieser Busch ist für viele Tiere lebenswichtig und hält den Boden hervorragend zusammen. So trägt jeder Gast mit einem einzigen Strauch dazu bei, die Erosion zu stoppen und neues fruchtbares Land entstehen zu lassen.
Als wir zurückkommen, ziehen immer dunklere Wolken auf und es beginnt zu regnen. Wir geniessen die Siesta im Zimmer, lesen und ruhen uns bei einem kleinen Mittagsschlaf aus. Um 16 Uhr ist es noch immer bewölkt, aber der Regen hat aufgehört. Wir möchten die Landschaft rund um den Fluss erkunden und fahren warm eingepackt noch einmal los. Viele Tiere lassen sich nicht blicken und ziehen sich wegen des Wetters in die Wälder zurück. Trotzdem geniessen wir die frische Luft und die ruhige, feuchte Stimmung.
Durch das Reserve verläuft eine halböffentliche Strasse, die etwa von Forstarbeitern genutzt wird. Nach dem Regen sind die Wege jedoch extrem rutschig. Bald entdecken wir ein Fahrzeug, das im Schlamm feststeckt. Wir ziehen es heraus und hoffen, dass die Fahrer den Rest allein schaffen. Danach schauen wir noch einmal bei den Löwen vorbei – vom Kadaver ist fast nichts mehr übrig, und die Löwen liegen träge im Gras.
Zurück in der Lodge geniessen wir ein letztes feines Abendessen und lassen den Tag ruhig ausklingen.
Tag 5 Kenton on Sea
Wir machen uns auf den Weg zurück zum Meer. Die Strasse ist noch immer glatt und matschig, unser Fahrzeug hat die Farbe gewechselt und ist nun matschbraun. Von der Luxus Lodge geht es nun zu einer einfacheren Unterkunft, nach Sibuya. Wir lassen unser Fahrzeug auf einem bewachten Parkplatz stehen und werden mit dem Boot zur Lodge gebracht. Es ist eine wunderbare Fahrt auf dem Kariega Fluss. Für uns geht es danach mit dem Fahrzeug weiter in die Lodge. Wir haben eine traumhafte Aussicht in den Wald.
Die beiden anderen Lodges liegen direkt am Fluss. Auf unserer ersten Pirschfahrt am Abend entdecken wir Nashörner und verschiedene Antilopenarten. Wir geniessen die Aussicht auf die weiten, sanft geschwungenen Landschaften. Ein stimmungsvoller Einstieg in diesen neuen Abschnitt unserer Reise.
Tag 6 Kenton on Sea
Auch heute stehen wir früh auf. Es ist bitterkalt, etwa 5°, und auf dem offenen Fahrzeug fühlt sich das noch viel kälter an. Einmal mehr merke ich, wie wertvoll Handschuhe, Kappe, Schal und Skiunterwäsche in den kühlen Monaten von Mai bis September sind.
Das Gebiet ist in zwei Teile unterteilt, und zwischendurch fahren wir – vor allem, um Zeit zu sparen – ein Stück über die Hauptstrasse. Die Tiersichtungen machen das aber mehr als wett. Heute begegnen wir Giraffen, Büffeln und Elefanten, und immer wieder öffnen sich diese traumhaften Landschaften mit ihren intakten, sanften Wäldern vor uns.
Tag 7 Lalibela
Es heisst Abschied nehmen von diesem persönlich geführten kleinen Idyll. Mit dem Boot fahren wir zurück, bevor wir wieder ins Auto steigen und nach Lalibela Lentaba. Dort scheint man uns zwar unsere Zimmerreservation verlegt zu haben, doch wie so oft in Afrika macht, man sofort einen Plan – und schon bald können wir einchecken.
Am Nachmittag gehen wir auf unsere erste Pirschfahrt und entdecken einen noch jungen Karakal, der sich im dichten, duftenden Fynbos zeigt. Danach sehen wir erneut verschiedene Antilopen und Zebras, und zum Abschluss haben wir das Glück, einem Gepard zu folgen, der gerade auf der Jagd ist. Ein wunderbarer Moment.
Tag 8 Lalibela
Wir unternehmen zwei Pirschfahrten, um die Gegend besser kennenzulernen und natürlich, um Tiere zu sehen. Landschaftlich gefallen uns die ersten beiden Lodges deutlich besser, doch weil das Gebiet hier offener ist, entdecken wir die Tiere meist schneller. Wir sehen – mit Ausnahme des Leoparden – die Big Five und machen viele schöne Aufnahmen. Sogar Erdmännchen zeigen sich uns.
Zwischen den Pirschfahrten besuchen wir verschiedene Unterkünfte im Gebiet, um uns einen umfassenderen Eindruck zu verschaffen. In dieser Region gibt es zahlreiche Lodges, und momentan arbeiten sie alle auf ein gemeinsames Ziel hin: Die Zäune zwischen den einzelnen Gebieten sollen entfernt werden, damit ein grosses, zusammenhängendes Game Reserve entsteht. Wir hoffen sehr, dass dieses Vorhaben in einigen Jahren gelingen wird.
Tag 9 Chintsa
Nach so vielen Tierbeobachtungen freuen wir uns auf das Meer. Nach drei Stunden erreichen wir unsere erste Unterkunft an der Wild Coast. Obwohl wir schon oft in Südafrika unterwegs waren und viele weniger bekannte Regionen kennen, sind wir das erste Mal hier. Wir sind gespannt, zumal man immer wieder hört, dass es hier gefährlicher sein soll als in anderen Teilen des Landes.
In der Prana Lodge geniessen wir zuerst die Ruhe, die weite Sicht aufs Meer und einen entspannten Nachmittag mit Strandspaziergang, Relaxen und einem feinen Abendessen. Ein wunderbarer Wechsel nach den Tagen im Busch.
Tag 10 Chintsa
Nach einem weiteren Spaziergang am Meer und einem gemütlichen Frühstück unternehmen wir einen Ausflug in die Umgebung. Leider hat die Bierbrauerei heute geschlossen, und sonst gibt es hier nicht viel zu entdecken. So verbringen wir den Nachmittag wieder entspannt auf der Terrasse mit einem guten Buch und lassen den Tag später bei einer wohltuenden Hot Stone Massage ausklingen.
Tag 11 Port St. Johns
Wir starten früh, denn eine längere Reise liegt vor uns. Natürlich nehmen wir nicht den direkten Weg – wir wollen ja noch etwas vom Land sehen. Zuerst fahren wir nach Kei Mouth, wo wir mit der Fähre übersetzen, und danach geht es weiter durch das Landesinnere. Die Strassen sind teilweise sehr schlecht, nur Schlaglöcher und ausgewaschene Pisten, keine Teerstrassen weit und breit.
Die Einheimischen beobachten uns neugierig, doch alle schenken uns ein warmes Lächeln. Hier erleben wir seit langem wieder das typische Südafrika, wie es vor vielen Jahren war – einfach, herzlich und wunderschön. Die Landschaft ist traumhaft. In Mthata tanken wir auf und essen eine Kleinigkeit, bevor wir am späteren Nachmittag unsere nächste Unterkunft erreichen.
Der erste Eindruck ist ein kleiner Schock: Wir landen in einer Familienunterkunft, und da Nebensaison ist, sind dann wirklich fast nur Familien mit kleinen Kindern da, was für uns ungewohnt ist. Doch am Ende ist es halb so schlimm – die Kinder essen früh, und so geniessen wir später auf der romantisch dekorierten Terrasse doch noch einen angenehmen, ruhigen Abend.
Tag 12 Port St. Johns
Nach dem Frühstück machen wir uns auf die Suche nach den bekannten Kühen am Strand. Wir finden sie bereits auf dem Sand, aber noch nicht direkt am Meer. Mit etwas gutem Zureden setzen sie sich in Bewegung, und wir können die gewünschten Fotos machen. Es gibt hier auch einen Fotorahmen, und als wir zurückgehen, stehen die Kühe plötzlich perfekt darin – richtig fotogen.
Wir fahren noch nach Port St. Johns, doch das muss man nicht unbedingt gesehen haben. So geniessen wir den Nachmittag lieber auf unserer Terrasse, lesen und spielen eine Runde Rommikub.
Tag 13 GweGwe
Es geht weiter Richtung Durban. Wir lassen unser Fahrzeug auf einem bewachten Parkplatz stehen und fliegen mit dem Helikopter nach GweGwe. Schon der Flug ist ein Erlebnis: Wir sehen verschiedene Flüsse, die hier ins Meer münden, und unsere Pilotin erzählt, dass man während der Walsaison die Tiere sogar aus der Luft beobachten kann.
Kurz darauf landen wir direkt vor der Lodge. Als Erstes erwartet uns ein feines Mittagessen mit Blick aufs Meer. Danach beziehen wir unser grosses, modern ausgestattetes Zimmer und geniessen erneut diesen traumhaften Ausblick.
Am Nachmittag machen wir uns mit unserem Guide auf den Weg zur Shelly Beach, wo wir den Sonnenuntergang in dieser stillen, weiten Naturkulisse geniessen.
Tag 14 GweGwe
Wir machen uns auf den Weg zu den Wasserfällen. Nach einer kurzen Wanderung erreichen wir den ersten Fall. Von oben geniessen wir einen wunderbaren Blick auf das Wasser, das in die Tiefe rauscht. Nachdem wir ein paar Fotos gemacht haben, folgen wir einem schmalen Pfad durch den Wald nach unten. Dort öffnet sich ein grosser Naturpool vor uns. Das kristallklare Wasser lädt sofort zum Baden ein – eine herrliche Abkühlung.
Danach wandern wir zurück und fahren weiter zum nächsten Wasserfall. Dort können wir einen grossen Aal beobachten, den unser Guide mit etwas Biltong aus seinem Versteck lockt. Ein faszinierender Abschluss dieses Ausflugs.
Tag 15 GweGwe
Am Morgen geniessen wir noch einmal eine Fahrt durch das Reservat und unternehmen einen Spaziergang am Strand. Den Nachmittag verbringen wir entspannt auf der Terrasse: Wir lesen, beobachten Vögel und lassen einfach den wunderbaren Blick aufs Meer auf uns wirken. Später gönnen wir uns eine Massage und freuen uns auf das leckere Abendessen.
Tag 16 Durban / Umhlanga
Heute geht es mit dem Helikopter zurück. Wir übernehmen unser Fahrzeug und fahren über Durban nach Umhlanga, wo wir erneut in der Oyster Box einchecken. Die nächsten drei Tage verbringen wir an der Einkaufsmesse Indaba. Dort treffen wir unsere bestehenden Partner, entdecken neue Unterkünfte, spannende Aktivitäten und vieles mehr. Wie jedes Jahr kehren wir mit vielen frischen Ideen zurück. In der Oyster Box unternehmen wir jeden Morgen einen Strandspaziergang und danach geniessen wir eines der besten Morgenbuffets ever, um gestärkt an die Messe zu gehen.
Fazit
Wir wurden im Vorfeld von Südafrikanern gewarnt, dass es an der Wild Coast gefährlich sei und die Einwohner Touristen gegenüber unfreundlich wären. Das war zu keinem Zeitpunkt der Fall. Selbst in den abgelegensten Regionen wurden wir überall mit der typischen Warmherzigkeit der Südafrikaner empfangen – egal ob im Hotel, an der Tankstelle oder in einem abgelegenen Bergdorf. Landschaftlich haben wir eine unglaublich eindrückliche Gegend kennengelernt. Für Erstbesucher in Südafrika würden wir die Wild Coast nicht unbedingt empfehlen, da die Zufahrten zur Küste oft in schlechtem Zustand und sehr lang sind. Zudem gibt es nur wenige Unterkünfte, die wir uneingeschränkt empfehlen können. Für Kunden jedoch, die das besondere Südafrika suchen und auch einfachere Unterkünfte schätzen, ist die Wild Coast ein echter Geheimtipp.