Petra Assalve
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Familienreise quer durch Namibia

Eine Reise durch Namibia war schon lange mein Traum – im Oktober habe ich ihn mir gemeinsam mit meiner Familie erfüllt. Die dreiwöchige Tour führte uns durch kontrastreiche Landschaften, zu den höchsten Dünen der Welt, in ausgetrocknete Flussbetten zu den Wüstenelefanten, über Stock und Stein zu wunderschönen Campingplätzen und immer wieder auch zu mir selbst, um innezuhalten. Fasziniert von der Unkompliziertheit des Reisens, der unvorstellbaren Weite sowie den ungeahnten Schätzen des Landes sind wir restlos begeistert heimgekehrt.

Tag 1 Flug Zürich – Frankfurt – Windhoek

Mit viel Vorfreude im Gepäck heben wir in der Abenddämmerung ab in Richtung Frankfurt. Nach der kurzen Umsteigzeit fliegen wir über Nacht nach Windhoek, wo wir am nächsten Morgen pünktlich landen, abgeholt und direkt zum Mietwagen-Depot gebracht werden.

Tag 2 Windhoek

Unser 4x4 Toyota Hilux mit zwei Dachzelten steht zur Übernahme bereit. Die komplette Ausrüstung, alle Werkzeuge und Gadgets werden uns in einer ausführlichen Einführung gezeigt und erklärt. Gute zwei Stunden später üben wir uns bereits im Linksverkehr und fahren zur ersten Unterkunft, um uns eine kurze Verschnaufpause zu gönnen, bevor es zur grossen Einkaufstour im Super Spar geht. Überrascht vom vielfältigen Angebot und mit prall gefüllten Taschen geht es nun ans clevere Verstauen. Ziemlich müde, aber sehr zufrieden lassen wir uns nach einem leckeren Nachtessen ins Bett fallen.

Tag 3 Windhoek - Camp Rooiklip

Wir verlassen Windhoek am Morgen und fahren in Richtung Gamsberg Nature Reserve, wo wir drei Stunden später nach einer etwas holprigen Piste unser Ziel erreichen – das Camp Rooiklip. Wir sind sehr gespannt darauf, die erste Nacht draussen inmitten dieser Felslandschaft zu verbringen, die ihrem Namen alle Ehre macht. Ob der Sternenhimmel so fantastisch wie angekündigt sein wird? Grillieren oder etwas vom Gaskocher zwischen die Zähne? Wie es sich wohl im Dachzelt schläft? Natürlich wurden all unsere Erwartungen übertroffen!

Tag 4 Camp Rooiklip - Wolwedans

Auch der wundervollste Sternenhimmel weicht irgendwann der nicht minder schönen Morgendämmerung. Hie und da vernimmt man ein Räuspern, das Geräusch eines sich öffnenden Reisverschlusses oder eines herzhaften Gähnens, bevor die ersten Sonnenstrahlen durch das Moskitonetz spähen. Da wir heute eine erste längere Etappe vor uns haben, wollen wir keine Zeit verlieren und machen uns gleich nach dem Frühstück ans Packen. Jetzt wird sich zeigen, ob wir die beiden Dachzelte sachgemäss zusammenklappen und verstauen können. Knapp eine Stunde und einige Schweissperlen später sind wir wieder „on the road” und steuern den ersten Tankstopp in Solitaire an. Anschliessend führt uns die Piste ins NamibRand Nature Reserve und weiter nach Wolwedans.

Tag 5 Wolwedans

Am Parkplatz werden wir abgeholt und zur Wolwedans Dune Lodge gebracht, wo wir mit einem feinen Mittagessen verwöhnt werden. Die Aussicht auf die kupferfarbene, endlose Dünenlandschaft ist atemberaubend! Nach dem Bezug unseres Zeltzimmers stehen am späten Nachmittag die Besichtigung der gesamten Selbstversorger-Anlage und ein erster «Sundowner» auf dem Programm. Was für uns der Inbegriff von Winter-Wunderland ist, könnte man hier ganz einfach Sand-Wunderland nennen, aber selbst das ist noch untertrieben. Die Kinder geniessen das Spiel im Sand, rutschen die Dünen hinunter, suchen nach Tierspuren, und wir Erwachsenen können uns kaum sattsehen an dieser unglaublichen Kulisse, dem Spiel der Farben, der Weite und dieser surrealen Welt.

Tag 6 Wolwedans - Sesriem

Am frühen Morgen erkunden wir zusammen mit einem Bushman die Umgebung. Er hat ein unglaubliches Wissen über die Flora und Fauna und entschlüsselt für uns das Geheimnis der zigfachen Spuren im Sand. Das Highlight ist das Nest der Dancing White Lady, einer weissen, in der namibischen Wüste endemischen Spinne. Anstelle eines Netzes gräbt sie einen ca. 40 cm langen, vertikalen Gang im Sand und verschliesst diesen anhand einer Art Klapptüre. Ehrfürchtig kehren wir zur Lodge zurück und verlassen Wolwedans nach dem Frühstück auf der Fahrt in Richtung Sesriem.

Tag 7 Sesriem und Sossusvlei

Man hat schon oft davon gehört und unzählige Bilder gesehen, und dennoch ist es ein Wunder, wenn man davorsteht: Den Anfang macht die Dune 45, die wir nach einer 45 Kilometer langen Fahrt von Sesriem aus erreichen. Über eine abenteuerliche 4x4 Sandstrecke erreichen wir schliesslich den Parkplatz bei Sossusvlei. Von dort aus gehen wir zu Fuss weiter und erreichen nach einer kurzen Wanderung das sagenumwobene Dead Vlei. Diese Gegend wirkt auf ihre eigene Weise still und geheimnisvoll und lässt uns abermals staunend innehalten, währenddessen die Kids Wüstenkäfer sammeln und ihnen Namen geben, um sie anschliessend wieder freizulassen. Diesen ereignisreichen Tag lassen wir am Abend bei Pasta und einem Glas Shiraz auf dem Sesriem Campsite ausklingen.

Tag 8 Sesriem - Swakopmund

Mit sechs Stunden Fahrt ist die heutige Etappe die längste, aber wir haben uns mittlerweile an die einsamen und rauen Schotterpisten gewöhnt und freuen uns auf das kontrastreiche Programm in Swakopmund. Nach dem Gaub-Pass verändert sich die Umgebung und geht in eine endlose Mondlandschaft über. Immer wieder folgt eine gefühlt noch längere Passage und wir werden uns einmal mehr der Grösse Namibias bewusst, bis schliesslich am Horizont die ersten Häuser von Walvis Bay erscheinen. Am späten Nachmittag beziehen wir unser Familienzimmer im Hotel The Delight.

Tag 9 Swakopmund

Am Vormittag unternehmen wir einen geführten Ausflug ins Township von Swakopmund. Wir besuchen eine angesehene Herero-Frau mit typischem Kopfschmuck, erhalten berührende Einblicke in den Alltag und schlendern über einen farbenfrohen Markt. Zum Abschluss besichtigen wir einen Kindergarten, wo wir in den Genuss einer rührenden Vorführung mit Tanz und Gesang kommen. Zur Stärkung werden wir anschliessend in eine «Shebeen», eine informelle Kneipe, eingeladen und mit lokalen Spezialitäten, u.a. Mopane Würmer, verköstigt – schliesslich gilt es, immer offen für Neues zu bleiben...

Tag 10 Swakopmund

Wir freuen uns auf die Living Desert Adventure Tour von heute Morgen. Mit dem 4x4 fährt unser Guide in die Dünen, um uns die Bewohner des Dorob-Nationalparks näherzubringen. Wir haben viel Glück und erhaschen gleich zu Beginn einen Blick auf eine giftige Zwergpuffotter, die durch ihre typischen Spuren im Sand auf sich aufmerksam macht. Sehr spannend, und auch für Kinder verständlich, ist die Demonstration über die Nahrungskette. Unterstützt durch den Küstennebel, der mit seinen winzigen Tröpfchen Leben in der Wüste in Form von Gräsern, Blüten und Samen ermöglicht und somit Unterschlupf für kleine Lebewesen bietet, setzt sich der Kreislauf der Natur nach dem Motto „der Grössere frisst den Kleineren” fort. Die Wüste lebt – und es lohnt sich auf jeden Fall, die „Little 5” zu entdecken.

Tag 11 Swakopmund - Spitzkoppe

Wir verlassen Swakopmund am Morgen bei kühlen 13°Grad und staunen nicht schlecht, als wir gute zwei Stunden später bei 46°Grad im Spitzkoppe Camp ankommen. Nachdem wir den ersten Temperaturschock überwunden haben, suchen wir uns im weitläufigen Gelände einen Ort für unser Nachtlager. Unsere leise Hoffnung auf Schatten hat sich in der gleissenden Mittagssonne allerdings schnell zerschlagen, weshalb wir uns kurzerhand im überdachten Open-Air-Restaurant eine Erfrischung gönnen. Nach einer ausgiebigen Spielrunde kehren wir zu unserem Platz zurück und geniessen einen Moment lang die atemberaubend schöne Stimmung inmitten der rötlich schimmernden Felshügel. Am Abend werden wir mit einem Bilderbuch-Sonnenuntergang belohnt und verkriechen uns nach einem Barbecue unter dem bezaubernden Sternenhimmel glücklich und beschwingt in unsere Dachzelte.  

Tag 12 Spitzkoppe - Damaraland

Unser nächstes Ziel ist das Damaraland. Nach einer Fahrt über Stock und Stein erreichen wir das perfekt in die Natur integrierte Mowani Mountain Camp. Angesichts der anhaltenden Hitze ist der Swimming Pool die erste Anlaufstelle – ausnahmsweise nicht nur für die Kids. Der Sundowner wird hier allabendlich auf einem malerischen Felsvorsprung, in gemütlichen Sitzkissen, zelebriert.    

Tag 13 Ausflug Huab-Tal

Um 6:30 Uhr brechen wir zu einer geführten Tour ins Huab-Tal auf. Mit etwas Glück können wir im ausgetrockneten Flussbett Wüstenelefanten beobachten. Unsere versierte Führerin erzählt uns, dass es aktuell zwei Gruppen mit Kälbern gibt, die sie unbedingt finden möchte. Tatsächlich stossen wir überraschend auf eine der Herden. Es ist beeindruckend zu beobachten, wie sich ein majestätischer Bulle auf die Hinterbeine stellt, um an die saftigen Blätter der Bäume zu gelangen. Unterwegs begegnen uns ausserdem einige Giraffen, und die Kinder entdecken aus sicherer Entfernung sogar eine Schlange, bevor es zur Mittagszeit zurück zum Camp geht.

Tag 14 Damaraland - Warmquelle

Nach zwei genussvollen Tagen an diesem luxuriösen Ort führt uns die nächste Etappe zu einem Campingplatz in der Nähe von Sesfontein, wo es eine warme Quelle zum Baden geben soll. Unsere Neugier ist gross und wir werden nicht enttäuscht. Eingebettet in einen kleinen Canyon befinden sich acht Stellplätze mit privater Dusche und WC, die paradiesisch am Ufer eines Baches gelegen sind. Die Naturquelle mit kleinem Wasserfall liegt zwischen Felsen und lädt zu einem Sprung ins kühle Nass ein. Was für eine willkommene Abwechslung in der ansonsten oft kargen Landschaft! Den Abend verbringen wir zusammen mit einer anderen Familie aus der Schweiz bei einem feinen Raclette über dem Lagerfeuer. Die Nacht wird begleitet vom meditativen Plätschern des Wassers und einem sanften Konzert von Zikaden und Fröschen…

Tag 15 Ausflug Hoanib Tal

Am nächsten Morgen brechen wir sehr früh unsere Zelte ab und begeben uns auf die Suche nach den Wüstenelefanten. Nachdem wir den Reifendruck reduziert haben, erreichen wir die Off-Road Piste und starten das «Abenteuer Hoanib Valley». Wir folgen den Reifenspuren im Sand und fahren immer tiefer hinein ins Tal. Nach einer wohlverdienten Kaffeepause in der Morgensonne erreichen wir einen Canyon. Leider immer noch keine Elefanten. Wir wagen uns noch ein ganzes Stück weiter vor, doch irgendwann müssen wir uns zur Rückkehr entscheiden. Kurz darauf kreuzt eine kleine Gruppe Wüstenelefanten unseren Weg – manchmal braucht man eben das Quäntchen Glück. Am Nachmittag geniessen wir unsere kleine Oase noch einmal in vollen Zügen und verbringen eine weitere Nacht an diesem magischen Ort.

Tag 16 Warmquelle - Etosha Nationalpark

Wir gelangen durch das Galton Gate in den Etosha Nationalpark. Bereits auf der Anfahrt zum Campingplatz begegnen uns Elefanten, Zebras, Springböcke und Giraffen. Immer wieder machen wir an den Wasserstellen Halt. Wir sind beeindruckt von der Vielzahl an Tieren, die zur Tränke kommen, da es seit Wochen sehr trocken und heiss ist. Nach der ersten Übernachtung im Westen des Parks brechen wir am nächsten Tag in Richtung Osten auf.

Tag 17 Etosha Nationalpark

Aufgrund der vielen Fahrzeuge vor uns vermuten wir eine aussergewöhnliche Sichtung. Tatsächlich hat sich eine grosse Elefantenherde mit prächtigen Exemplaren versammelt, gefolgt von unzähligen Oryx, Impalas, Zebras und Gnus – was für ein Anblick! Erst einige Zeit später bemerken wir, dass sich mitten im Getümmel ein Löwenpaar ausruht und nur darauf wartet, dass die Dickhäuter den begehrten Platz am Wasser freigeben. Die Hackordnung ist offensichtlich und das Hungergefühl scheint sich bei diesen Temperaturen nicht nur bei uns in Grenzen zu halten…

Tag 18 Etosha Nationalpark - Onguma Game Reserve

Nach drei Tagen im Etosha Nationalpark können wir eine beeindruckende Bilanz vorweisen: Neben den bereits erwähnten Arten haben wir ausserdem Nashörner, Tüpfelhyänen, Kudus, Warzenschweine, Strausse sowie 16 weitere Löwen gesichtet. Nach vielen erlebnisreichen Augenblicken verlassen wir den Park durch das Von Lindequist Gate. Gleich daneben biegen wir ins private Onguma Game Reserve ab, wo uns ein weiterer Aufenthalt ganz im Zeichen der „Big Five” erwartet. Unter fachkundiger Führung geniessen wir eine ausgedehnte Pirschfahrt. Noch einmal entdecken wir zwei Löwinnen, die ihren Nachwuchs allerdings sehr gut versteckt halten. Die Annehmlichkeiten des wunderbaren Onguma Bush Camps mit seiner legendären Wasserstelle lassen absolut nichts zu wünschen übrig, sodass wir hier wunderbar entspannen können.

Tag 19 Onguma Game Reserve - Okonjima Nature Reserve

Unser letztes Ziel auf dieser Reise ist die familiengeführte Okonjima Lodge. Die Aussicht aus dem extragrossen Fenster des «View Rooms» wirkt wie eine Leinwand im Naturkino. Neben den kulinarischen Köstlichkeiten freuen wir uns hier besonders auf die Leoparden und Geparde. Dank der ausgezeichneten Kenntnisse unseres Guides stossen wir im Dickicht auf eine Leopardin, die gerade ein Warzenschwein erlegt hat. Die Szenerie wird schliesslich noch getoppt, als wir einen Blick auf ihr Junges erhaschen. Das Naturreservat ist ebenso berühmt für die häufigen Sichtungen von Leoparden und braunen Hyänen wie für die AfriCat Foundation. Seit ihrer Gründung im Jahr 1991 hat sich die Stiftung zum Ziel gesetzt, einen bedeutenden Beitrag zum Naturschutz zu leisten und das Überleben der namibischen Raubtiere in ihrem natürlichen Lebensraum zu sichern.

Tag 20 Okonjima Nature Reserve - Windhoek

Nur noch knapp drei Stunden von Windhoek entfernt wird uns allmählich bewusst, dass auch die schönste Reise irgendwann zu Ende geht. Voller Abenteuer und aktiv erholt treffen wir wieder im Hotel ein. Es fühlt sich bereits ein bisschen wie Nachhausekommen an…

Tag 21 Flug Windhoek - Frankfurt - Zürich

Am nächsten Tag geben wir wehmütig die Schlüssel und den Mietwagen ab. Gedankenversunken lassen wir uns zum Flughafen chauffieren. Auch die Rückreise verläuft angenehm und während des Fluges kommen wir alle zu demselben Schluss: Namibia, wir kommen wieder!  

Fazit
Eine Familienreise durch Namibia mit, allenfalls bereits etwas älteren, Kindern ist absolut empfehlenswert. Die Kombination aus einer Camping- und Lodge Tour erweist sich als ideal. Jede und jeder sammelt Campingerfahrung und man hat auf diese Weise die Möglichkeit, den Tagesablauf individuell und komplett frei von fixen Zeiten zu gestalten. Da das Leben grösstenteils in der freien Natur stattfindet, ist der Erholungsfaktor garantiert. Ein weiterer grosser Pluspunkt ist das Teambuilding. Durch die Abwechslung werden die Annehmlichkeiten einer Lodge, wie beispielsweise der Swimmingpool, bewusst geschätzt, und man kann zwischendurch zur Ruhe kommen. Für die teilweise langen Fahrstrecken sind Snacks, ausreichend Getränke und Pausen ein Muss.